Das ewige Leid mit der Desktopumgebung

Seit kurzem nutze ich wieder GNOME 3. War eigentlich nur ein Spontanbesuch, weil Xfce leider nicht so recht mit dem zweiten Monitor wollte. Und irgendwie wollte mir Xfce auch einfach nicht wirklich gefallen. Es zwar zwar fast alles an seinem alten Platz, aber trotzdem war es nicht mehr wirklich dasselbe. Die Kleinigkeiten waren der Tropfen, der ständig von der Decke fiel. Und die schlechte Integration von GNOME-Komponenten, die mit GNOME 2 wohl noch deutlich besser war, nicht nur was die Optik betrifft, sondern auch die Funktionalität.

Und jetzt versuche ich gerade das Beste aus GNOME 3 zu machen. Das heißt, ich habe mich mal nach Erweiterungen umgesehen. Leider gibt es da nicht wirklich was in den Paketquellen. Und das Extensions-Repo ist total zugekleistert mit allem möglichen Zeug, vollkommen unsortiert. Da findet man ja nix. Außerdem sind meine Vorstellungen mit Sicherheit sowieso mal wieder viel zu speziell.

Zum Beispiel möchte ich Befehle bereit stellen, mit denen man per Mausklick die noauto-Einträge aus der /etc/fstab mounten kann, also speziell sind das die Sachen vom Server. Und ich brauche so ein paar andere Sachen, die mir schmerzlich fehlen wie Sensorendaten & Co.

Ich bin auch nicht wirklich angetan davon, dass man sich bei den Extensions eigenhändig um Updates bemühen muss.

Also muss man sich da wohl mal wieder selbst ans Werk machen.

Ist ja schön, dass man sich so eine Extension mal eben mit ein bisschen Javascript dahin schmieren kann. Ist auch schön, dass die GNOME-Shell schon Komponenten mitbringt, die bei der Umsetzung helfen sollen. Allerdings beschleicht mich der Eindruck, dass die Tools keinesfalls der Unterstützung von Leuten dienen, die sich ihr Zeug selber schreiben wollen. Es wirkt eher so, als sollte damit dafür gesorgt werden, dass alle Leute schön normgerecht arbeiten. Ok, kann ich mit leben. Hilft mir ja auch. Und das Einhalten von Normen ist ja prinzipiell nicht so verkehrt. Ich freu mich auch, wenn sich ein anderer Coder an gewisse Standards hält, die mir das Lesen erleichtern, und ich mich nicht erst in irgendein wirres Gewusel reinarbeiten muss. Abgesehen davon krieg ich als Anfänger ja auch gleich einen gewissen Einstieg mit auf den Weg. Also alles gar nicht so blöd gemacht.

Aber was soll der Scheiß eigentlich?

Ich meine, es ist eigentlich klar. Die GNOME-Entwickler wollen ihre Userschaft zur Eigenleistung heranziehen. Die machen alles möglichst abgespeckt und kaum zu gebrauchen und alles, was GNOME zum Funktionieren bringt, kann gefälligst die Community übernehmen. Ich meine, dann sollten sie wenigstens konsequenterweise mal ein aufgeräumtes und übersichtliches Repo anbieten und nicht so eine unsortiert dahingeklatschte alphabetische Liste, die man als User erst mal mühsam durchsuchen darf.

Was soll der Scheiß?

Wen wollen die eigentlich damit erreichen?

Muss jetzt jeder Ottonormaluser zum Programmierer werden, um eine einstmals anfängerfreundliche und in aller Dezentheit Eigeninitiative fördernde und damit einen schleichenden Lernprozess anstoßende Desktopumgebung nutzen zu können?

Ich glaube, ich hatte mich damals schon mal darüber ausgelassen, dass man bei GNOME 3 entweder auf ewig dumm bleibt oder gleich zum Nerd werden muss. Und ich sehe mich gerade doch sehr bestätigt.

Was aber, wenn man einfach überhaupt keine Lust hat, seinen Desktop erst zu programmieren, bevor man ihn vernünftig benutzen kann?

Und das ist bei mir der Fall. Ich habe keine Lust, mich mit Extension-Programmierung auseinanderzusetzen. Ja, wer hätte das gedacht, dass ich mal sowas sage?! Aber es ist so. Ich kann meine Zeit wirklich sinnvoller nutzen!

Das Gebastel am Server macht wenigstens noch einigermaßen Spaß. Und ich weiß, dass es was bringt. Gut, das würde die eine oder andere Extension sicherlich auch, sonst würde ich sie ja nicht haben wollen. Aber Moment! Will ich wirklich Extensions haben? Nein! Ich will, dass GNOME selbst wieder seine alte Funktionalität mitbringt und nicht alles von irgendwelche ominösen Extensions abhängt. Das ist mir hier echt alles zu statisch und zu zersplittert.

Und ich komme mehr und mehr dahin, mich gänzlich vom Thema Desktopumgebung zu verabschieden. Wofür brauch ich den Scheiß? Erst recht jetzt, wo ich auch noch den Midnight Commander entdeckt habe? Ach ja, FF läuft leider nicht auf der Konsole.

Leider? Langsam aber sicher hängt der mir auch nur noch zum Hals raus. Ich kann nicht sagen, warum. Er nervt mich einfach nur. Wahrscheinlich v.a. deshalb, weil er so ein elender Ressourcenfresser ist. Ich hasse Ressourcenfresser!

Aber mit Textbrowsern hat man leider trotzdem das Problem, dass sie einfach nicht für moderne Webseiten geeignet sind. Und eine wirkliche grafische Alternative zum FF ist mir auch noch nicht über den Weg gelaufen.

Ansonsten fehlt mir auf der Konsole eigentlich nichts. Ist alles da:

  • tmux als Fenstermanager-Ersatz.
  • zsh mit vielen Features, von denen die bash nicht mal träumt. Die Bedienung ist derart komfortabel, dass es schon wirklich schwierig ist, noch ohne auszukommen. Oder ohne meine Konfiguration. zsh macht schon echt faul und blöd. 😀
  • Midnight Commander als Dateimanager.
  • Auf die Maus muss man keinesfalls verzichten. Bei mir läuft schon lange gpm, um mich auch durchs virtuelle Terminal klicken zu können. Der entscheidende Vorteil an der Mausbenutzung liegt v.a. in der Zwischenablage (Markieren und mit Mittelklick einfügen).
  • mutt als Email-Client.
  • Filme lassen sich einfach mit mplayer im Framebuffer gucken. Das ist allerdings schon ziemlich ressourcenlastig. Da ist mir Totem dann doch noch am liebsten, auch was die Bedienung betrifft. Da ergibt sich außerdem noch das Problem, dass ich Filme gerne auf einen zweiten Monitor werfe und auf dem Laptop noch was Anderes mache. Keine Ahnung, ob solche Aktionen auch ohne grafische Oberfläche möglich sind.
  • Musik hören geht logischerweise auch mit allen möglichen Tools.
  • Texteditoren gibt es genug. nano, vim und emacs sind da nur ein paar Möglichkeiten, wobei ich diese drei je nach dem, was man machen will, für am geeignetsten halte.

Fehlt noch was? Keine Ahnung. Viel mehr mach ich eigentlich nicht, jedenfalls nicht regelmäßig. Und was spricht dagegen, für den Bedarf noch eine grafische Oberfläche vorzuhalten?

Aber gut, da wäre der Browser, der einfach nicht ersetzbar ist. Und wie gesagt, beim Thema Filme wäre der Verzicht auf eine grafische Oberfläche wirklich ein Downgrade.

Wenn es sich anbietet, häng ich eigentlich immer öfter im virtuellen Terminal rum. Im einen auf dem Server eingeloggt, im anderen lokal. Und dann frustriert mich der Ressourcenverbrauch, den die grafische Oberfläche nebenan noch aufweist, nur weil ich ab und an mal rüber springe. Und das ewige Strg+Alt+Fx nervt auch. Aber so langsam steckt das immer mehr drin. Virtuellen Desktop wechseln? Normalerweise macht man das mit Strg+Alt+Rauf- und Runter-Tasten. Ich erwische ständig die F-Tasten.

Hach, das ist schon alles echt frustrierend. Vielleicht sollte ich einfach mal wieder Windows nehmen. Die Oberfläche gefällt mir zwar auch nicht, aber man hat wenigstens keine Wahl und kommt auch nicht mal auf den Gedanken, sich ins Terminal zu verirren, weil man von allem Anderen so gefrustet ist, dass man es einfach nicht mehr sehen will.

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