Gates‘ Vision: Windows auf jedem PC

Die Tage des BIOS sind gezählt. Na ja, noch nicht ganz.

Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber es scheint so zu sein, dass (U)EFI auf dem Vormarsch ist.

Es kann mehr als das BIOS, ist schneller, 64-Bit-fähig, sicherer, etc.

Wenn das BIOS ein Trabi ist, ist EFI gewissermaßen der Ferrari. Beide haben die Aufgabe, einen von A nach B zu bringen, beide haben 4 Räder und weitere Ähnlichkeiten, aber im Grunde ist es schon kaum fassbar, dass sie beide unter die Bezeichnung „Auto“ fallen. Und vor allem: Der Trabi ist kein Ferrari und der Ferrari ist kein Trabi, auch keine Weiterentwicklung oder dergleichen.

Etwa so verhält es sich zwischen BIOS und seinem Nachfolger auf dem Mainboard.

Und so wie ein Ferrari nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern auch Statussymbol, Sportwagen und was weiß ich nicht noch alles ist, übernimmt das EFI zwar die Aufgaben des BIOS, ist aber eigentlich viel mehr als das und die BIOS-Aufgaben sind nur noch eine Komponente.

Nun hab ich zwar einem aktuellen Ferrari noch nie unter die Motorhaube geguckt, aber zumindest von seinem kleinen Bruder, dem Fiat, kann ich sagen, dass man da – wie wohl bei den meisten aktuellen Autos heutzutage – an nichts mehr ran kommt. Alles ist komplett vernagelt. Man kann gerade mal Öl und Wasser einfüllen. Ansonsten sitzt alles unter einer Abdeckung, die mit ungewöhnlichen Schrauben befestigt ist, für die man keinen Schlüssel bekommt. Man kann nicht mal überbrücken oder eine Birne wechseln, ohne dass gleich das halbe Auto zerlegt werden muss. Von der ganzen Elektronik will ich ja schon gar nicht erst anfangen. Kurz um, ein modernes Auto steht wegen jedem kleinen quersitzenden Pups immer gleich in der Werkstatt, weil der Endanwender keine Kontrolle mehr über seine Hardware hat. Über einen Trabi war man immer noch selbst der Herr.

Wo ist da jetzt der Bezug zu BIOS und EFI? Ganz einfach, EFI ist DRM-fähig. Auch hier wird dem Endanwender wieder die Möglichkeit genommen, sein Eigentum zu kontrollieren. Es untersteht völlig der Kontrolle Anderer.

Wurden in den letzten Jahren noch Befürchtungen laut, Hersteller könnten unbemerkt Überwachungsmechanismen einbauen, so konzentriert sich die Problematik aktuell eher darauf, was dem Endanwender überhaupt noch erlaubt wird. Wie ein DRM-verseuchter -geschützter Film, den man nur auf registrierten Geräten gucken darf oder ein Audio-File aus dem iTunes-Store (wo das zumindest früher mal so war), können EFIs so konfiguriert werden, dass sie nur erlauben, was der Hersteller vorgegeben hat.

So erpresst nun Microsoft die Hersteller stellt Microsoft den Hersteller die Bedingung, dass sie eine Windows-8-Zertifizierung nur ausstellen, bzw. die Vorinstallation von Windows 8 auf Fertig-Computer nur erlauben, wenn das eingebaute EFI keine anderen Betriebssysteme duldet.

Ein paar interessante Artikel dazu:
Windows 8 könnte Linux-Installationen verhindern
Sorge berechtigt! Microsoft hat zum Thema “Windows 8 und Secure Boot” geantwortet
Befürchtungen wegen UEFI absolut gerechtfertigt: Microsoft sperrt ARM-Anwender und -Hersteller ein

Dort wird ja einiges schon angesprochen. Ein wichtiger Punkt ist die Unmöglichkeit, einen alten Computer später mit einem sparsamen Betriebssystem oder als NAS zu „recyclen“.

Und wenn man sich damit trösten will, dass man ja auch einfach nur das Mainboard austauschen muss, stellt sich aber immer noch die Frage, was es bis dahin überhaupt noch gibt.

Ob das wohl möglich ist, solche Rechner als Terminal-Clients zu verwenden? Dann wäre es immer noch Prozessor-Verschwendung. Aber vielleicht geht das ja sowieso nicht. Ich kenne mich mit EFI und seinen Eigenheiten nicht aus.

Andere Frage. Wenn Microsoft auf Win8-Beschränkung besteht, um einen Rechner mit Win8 auszuliefern, heißt das dann, dass solche Rechner auch durch die Bank kein BIOS mehr haben dürfen? Oder macht Microsoft dafür keine Vorgabe?

Wenn BIOS tabu ist, wird BIOS in allernächster Zukunft sterben. Davor, dass es irgendwann so kommen wird, graut mir ja sowieso schon. Ich will diesen EFI-Scheiß nicht! Ich habe auch noch nie den Eindruck gehabt, dass das BIOS nicht mehr reicht. Ok, ich als Endanwender habe da natürlich andere Ansichten als Hersteller, die sich durch das BIOS beschränkt fühlen, aber muss man es deswegen gleich mit einer Technologie ersetzen, die die Anwender kontrolliert?

Im Moment dreht sich das alles ja nur um Fertig-PCs (und „Kleingeräte“), wenn ich das richtig verstehe. Also ist man nicht betroffen, wenn man sich seinen Rechner selber baut. Noch nicht. Denn wie lange dauert es, bis diese Beschränkungen überall gelten?

Muss man sich dann einen Mac kaufen, um Linux noch zu installieren? Oder springt Apple dann gleich mit auf den Zug auf? (In Macs werden übrigens schon seit Jahren nur noch EFIs verbaut.)

Und wie teuer wird es in 5 bis 10 Jahren sein, noch ein Mainboard zu kaufen, das einem noch die freie Wahl des Betriebssystems lässt? Und wie sieht es eigentlich mit sonstiger Hardware aus? Muss man dann sehen, was man sich überhaupt noch aufs Board stecken kann, ohne was zu erwischen, was per EFI mal wieder nicht erlaubt ist?

Wo ist eigentlich Richard Stallman in dieser Debatte? Der hat doch immer was zu meckern, sich überall einzumischen und sich aufzuführen wie der letzte Elefant. Wäre das nicht auch ein Thema für ihn?

Ok, den Absatz sollte ich vielleicht erklären. Ich mag Stallman überhaupt nicht. Er ist mir einfach zu laut, teilweise einfach nur albern und sein Freiheitsgeschrei hat in meinen Augen nichts mehr mit Freiheit zu tun, sondern eher mit Sektiererei. Seine Forderungen schaffen konsequent umgesetzt nur Unfreiheit, solange sich nicht alle dran halten. Aber wie frei ist das, sich an etwas halten zu müssen, damit alle frei sind? Ok, alles ein wenig paradox. Seine heilige Bibel GPL ist inkompatibel hoch 10 und seine getreuen Jünger sind ständig bestrebt, die Selbstgeißelung für sich zu perfektionieren.

Aber solche Menschen wie Stallman brauchen wir! Braucht die Welt! Nur durch Leute wie Stallman ist freie Software überhaupt populär. Oder überhaupt vorhanden, zugänglich. Stallman und die FSF stellen ein Gegengewicht zu denen her, die alles daran setzen, den Nutzern ihrer Produkte jegliche Selbstbestimmung zu entziehen, die Eigentum auf ein von ihnen definiertes Nutzungsrecht reduzieren, die versuchen, ihre Kunden so weit als möglich von ihnen abhängig zu machen und in Sokrates‘ Höhle zu sperren, ohne ihnen jemals auch nur den Gedanken zu erlauben, dass es da draußen etwas geben könnte, das sich Tageslicht nennt.

Nur durch Leute wie Stallman können die nicht alles machen, was sie wollen.

Wir brauchen Stallman! Er mag einen irreversiblen Totalknall haben und einen immer wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen lassen, aber genau das ist es wahrscheinlich, was uns wenigstens noch ein bisschen Hoffnung behalten lässt.

Update (Do, 01/19 07:33): Konsequenzen für Sicherheit und andere Probleme: Red Hats Matthew Garret: Warum UEFI problematisch für Linux ist

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