Remote-Virtualisierung: QEMU oder VirtualBox?

Ich habe nun endlich herausgefunden, was ich immer falsch gemacht habe, dass das so hochgelobte und angeblich so performante QEMU bei mir einfach nie vernünftig laufen wollte. Ich hatte schon mehrfach den Versuch gestartet, unter verschiedenen Distributionen. Aber egal, wie oft ich es anfing, ich hörte immer ganz schnell wieder auf, weil es einfach nur so vor sich hin kroch, bzw. auf meinem alten Laptop, der mit seiner Hardware ja schon lange nicht mehr vorne mitschwimmt, nicht mal eine grafische Oberfläche starten wollte. Also habe ich bis jetzt immer mit VirtualBox gearbeitet, weil das wenigstens funktionierte.

Seit gestern weiß ich, der Wiki-Artikel bei Ubuntuusers ist einfach nur fürn Arsch. Warum den keiner mal so schreibt, dass QEMU so gut läuft wie sie da behaupten, obwohl es ja doch einige Leute bei UU gibt, die QEMU benutzen und bei denen das wohl zu flitzen scheint, ist mir ein Rätsel.

Eine bessere Anleitung gibt es hier. Und dort hab ich auch die Option -machine type=pc,accel=kvm gefunden, mit der QEMU endlich ordentlich läuft. Warum schreibt das eigentlich keiner ins UU-Wiki?

Nun ja, wie komme ich jetzt eigentlich wieder auf QEMU?

Ich habe mich bei VirtualBox an ein paar Dingen gestört.

  1. Es ist ziemlich umständlich, wenn man keine grafische Oberfläche hat.
  2. Per VNC wird immer ein Mauspointer mit übertragen, was zum einen nervt und zum anderen ziemlich unpraktisch ist, wenn man Screencasts machen will.
  3. Unter Debian Squeeze gibt es nur VirtualBox 3.2 (es sei denn, man nutzt Backports). Da kann man so Sachen wie Unity, GNOME-Shell oder Aero für alle Zeit vergessen.

Zu 1.: Mit GUI ist VirtualBox ja schon umständlicher als QEMU, aber man kann sich so durchklicken, es gibt Wizards an allen Ecken, die einem helfen, und alles ist schön übersichtlich. Dort eine VM einzurichten, dauert zwar immer noch länger als mit QEMU eine Festplatte anzulegen und eine VM damit zu starten, aber wenn eine VM einmal eingerichtet ist, braucht man nur noch mal eben klicken. Ohne GUI ist die Einrichtung einer VM aber eine wahrhafte Katastrophe! So viele Parameter, viele Optionen mit kilometerlangen Namen. Mindestens 6 Befehle, bis man eine VM überhaupt mal eingerichtet hat, natürlich jeder davon sowas von kryptisch, dass einem schlecht wird. Das ist auch einem CLI-Freak wie mir dann doch eine Spur zu viel des Guten! QEMU dagegen ist einfach. Ein kurzer Befehl, um die Festplatte zu erstellen, fertig. Danach mit einem Befehl starten, der zwar etwas länger ist als bei VirtualBox, dafür aber relativ eingänglich.

Zu 2.: Das Problem habe ich bei QEMU leider auch. Muss mal sehen, ob sich das irgendwie regeln lässt.

Zu 3.: Ich meine ja, ich hätte Unity und/oder GNOME-Shell schon mal auf dem Laptop in VirtualBox 4.x gesehen. Aber als ich gestern noch mal getestet hab, liefen sie beide nicht. Aero soll wohl angeblich mit der Closed Source Erweiterung laufen, aber das scheint, wenn ich das gerade richtig im Kopf habe, wohl auch nicht mehr als ein Gerücht zu sein. M.W. ist VMWare derzeit die einzige Virtualisierungslösung, die DirectX-fähig ist und Aero zum Laufen bringt.

Jedenfalls habe ich gestern überlegt, ob ich die Unity- und GNOME-Shell-Sachen auf meinem Laptop lassen soll oder mich vielleicht doch auf dem Server zu der Backport-Version durchringe. Es geht unter 4.x, da bin ich mir ganz sicher. Sowas liest man ja auch oft genug im Internet. Ich vermute, dass es gestern nicht klappte, wird an zueinander inkompatiblen Versionen von VirtualBox und den Gasterweiterungen aus den jeweiligen Quellen gelegen haben. Das Gasterweiterungs-ISO, das Virtualbox auf dem Host mitbringt, hab ich nämlich gestern nicht ausprobiert.

Na ja, mit der Geschichte bin ich jedenfalls noch nicht durch.

Ebenso mit einer neuen Frage, die sich auftut. Jetzt, wo QEMU ja so toll läuft, nehm ich dann lieber das? Oder nehme ich beide Virtualisierungslösungen, je nach Bedarf? Und was mach ich womit? Und wie bau ich meine VM-interne Netzwerkstruktur auf (darf ja nicht alles ins physiche LAN, geschweige denn ins Internet)?

Was ist besser? Und wofür? Und wie gehe ich mit den GNOME-basierten 3D-Desktops um?

Der Einfachheit halber würde ich ja am liebsten jetzt wirklich nur QEMU nehmen. Aber VirtualBox scheint mir bessere Netzwerk-Optionen zu bieten. Und wenn da 3D-Desktops laufen und in QEMU nicht? Oder umgekehrt? Und, ach ja, Backports ja/nein?

Und mal wieder ein tolles Beispiel für: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Erinnert mich an das Desktop-Problem. Zu viel Auswahl, jeder kann ein bisschen was, keiner kann alles und es gibt nichts, was wirklich perfekt ist…

Na ja, ich werde mich jetzt auf jeden Fall mal etwas eingehender mit QEMU befassen. Wenn das interne Netzwerke kann, die nicht am Host vorbei kommen, für andere Zwecke Netzwerkbrücken, die ich nicht extra auf dem Host fix einrichten muss, und dazu noch Unity und GNOME-Shell, wird VirtualBox wohl runter fliegen.

Ach, und dann bliebe da noch das Mauspointer-Problem…

Und der Mist mit der Tastaturbelegung…

Wenn sich das alles irgendwo die Waage hält, was die Dinger jeweils können, und ich mich letztlich dazu entschließe, sie beide wahlweise zu verwenden, wird wohl im Zweifelsfall das genommen, was den Host weniger belastet. Aber das muss ich erst noch beobachten.

Btw.: Wenn man sich bei VMWare nicht registrieren müsste, würde ich ja möglicherweise einfach das nehmen. Wobei da aber auch leider kein Server in den Quellen zu liegen scheint:

$ apt-cache search vmware
imvirt - detects several virtualizations
libimvirt-perl - Perl module for detecting several virtualizations
libview-dev - VMware's Incredibly Exciting Widgets
libview2-dbg - VMware's Incredibly Exciting Widgets
libview2 - VMware's Incredibly Exciting Widgets
virt-goodies - A collection of helpful virtualisation related tools
vmfs-tools - Tools to access VMFS filesystems
xmount - tool to crossmount between multiple input and output harddisk images
xserver-xorg-input-vmmouse - X.Org X server -- VMMouse input driver to use with VMWare
xserver-xorg-video-vmware - X.Org X server -- VMware display driver
open-vm-source - Source for VMware guest systems driver
open-vm-toolbox - tools and components for VMware guest systems (GUI tools)
open-vm-tools-dbg - tools and components for VMware guest systems (debug)
open-vm-tools - tools and components for VMware guest systems (CLI tools)
vmware-view-open-client - VMware View Open Client

Sieht aus, als gäbe es da nur einen reinen Client, also nicht mal so ein Einzelplatz-Ding wie der VMWare Player.

Update (16:00): Wie man QEMU ordentlich zum Laufen kriegt, steht tatsächlich doch im UU-Wiki: http://wiki.ubuntuusers.de/KVM
Ein bisschen anders als im QEMU-Buch, aber funktioniert auch. Und ist kürzer. 😀

Außerdem hab ich hier noch was gefunden: http://www.linux-kvm.org/page/Tuning_KVM

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Linux, Netzwerk, Virtualisierung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.